Die Ausstellung versammelt Werke von Künstler:innen, die Erfahrungen von Frauen im Arbeitsleben sichtbar machen. Sie erzählen von Erschöpfung und Widerstand, von subtilen Machtverhältnissen, von Ungleichheit, Selbstbehauptung und dem Ringen um Sichtbarkeit. Dabei eröffnen sie nicht nur individuelle Perspektiven, sondern verweisen zugleich auf jene gesellschaftlichen Strukturen, in die diese Erfahrungen eingebettet sind.
Was oft als persönlich oder vereinzelt erlebt wird, ist Ausdruck größerer sozialer Zusammenhänge — darin liegt eine zentrale Einsicht feministischen Denkens: Das Private ist politisch. Die prägende Formulierung wurde durch Carol Hanisch in ihrem Essay von 1969 bekannt.
Die Ausstellung versteht sich daher nicht allein als künstlerisches Format, sondern ebenso als Ort des Austauschs, der Begegnung und der gemeinsamen Reflexion. Im Rahmen der Vernissage und weiterer Dialog- und Austauschformate entsteht Raum für Zuhören, Gespräch und Verständigung. So wird die Ausstellung zu einem Zusammenhang, in dem Erfahrungen nicht nur sichtbar, sondern auch teilbar und besprechbar werden.
OPEN CALL: Werde Teil der Ausstellung
Um ein vielstimmiges und möglichst authentisches Panorama weiblicher Arbeitsrealitäten zu schaffen, laden wir Künstler:innen und beruflich betroffene Frauen herzlich ein, ihre Perspektiven in dieses Projekt einzubringen.
Der kuratorische Ansatz ist bewusst offen angelegt: Ausstellung und Begleitprogramm entwickeln sich aus dem eingereichten Material. Nicht ein vorab festgelegter Rahmen bestimmt den inhaltlichen Fokus, sondern auch die Beiträge selbst — Arbeiten, Portfolios und persönliche Erfahrungsberichte geben der Ausstellung ihre Richtung und prägen die Ausgestaltung des Programms.
Ganz gleich, ob du dich dem Thema künstlerisch näherst oder berufliche Erfahrungen sichtbar machen möchtest: Deine Perspektive ist ein wesentlicher Teil dieses Vorhabens.
Es geht uns darum: nicht nur zu zeigen, was ist, sondern gemeinsam zu befragen, was sein könnte. Wo Erfahrungen geteilt werden, entsteht Erkenntnis. Wo Strukturen benannt werden, verlieren sie ihre Selbstverständlichkeit.
So entsteht ein Raum, in dem individuelle Erlebnisse in einen kollektiven Zusammenhang treten — und in dem wir gemeinsam nach dem suchen, was besser sein kann
Einreichungen und Anfragen bis Ende August an:
Heike Sohna
Projektinitiatorin & Geschäftsführerin der SEQUOYA GmbH
sohna@sequoya.de
+49 30 26 58 58 40
Künstler:innen
1788
In England arbeiten Frauen und Kinder unter extremen Bedingungen in der Textilindustrie.
1848
Der Frauenrechtskongress von Seneca Falls fordert gleichen Zugang zu Bildung, Beruf und öffentlicher Teilhabe.
1911
Der Internationale Frauentag wird eingeführt, maßgeblich angestoßen von Clara Zetkin.
1918
Mit dem Frauenwahlrecht in Deutschland beginnt eine neue Phase politischer Mitbestimmung — auch in Fragen von Arbeit und sozialer Gerechtigkeit.
1919
Die Gründung der Internationalen Arbeitsorganisation setzt erste internationale Standards zum Schutz von Arbeitnehmerinnen.
1933
Mit dem Nationalsozialismus werden Frauen in Deutschland systematisch aus vielen Bereichen des Berufslebens verdrängt.
1944–1945
Während des Zweiten Weltkriegs übernehmen Frauen weltweit Tätigkeiten in Industrie und Verwaltung, die zuvor Männern vorbehalten waren.
1949
Simone de Beauvoir veröffentlicht Das andere Geschlecht — ein Schlüsseltext zur Analyse der gesellschaftlichen Stellung von Frauen.
1955
In der Bundesrepublik bleibt die Berufstätigkeit verheirateter Frauen rechtlich an die Zustimmung des Ehemanns gebunden.
1957
Die Römischen Verträge verankern den Grundsatz gleichen Entgelts für Frauen und Männer in der Europäischen Gemeinschaft.
1969
Carol Hanisch prägt mit Das Private ist politisch eine zentrale Formel feministischer Gesellschaftskritik.
1977
In der Bundesrepublik entfällt das gesetzliche Mitbestimmungsrecht des Ehemanns über die Erwerbstätigkeit seiner Frau.
1979
Mit CEDAW verabschieden die Vereinten Nationen das wichtigste internationale Abkommen zur Beseitigung der Diskriminierung von Frauen.
1980er Jahre
Der Begriff der gläsernen Decke beschreibt die unsichtbaren Barrieren, die Frauen am beruflichen Aufstieg hindern.
1992
Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz wird in Deutschland erstmals gesetzlich geregelt.
2006
Mit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz wird der Schutz vor Diskriminierung im Arbeitsleben gestärkt.
2017
Die #MeToo-Bewegung macht strukturellen Machtmissbrauch im beruflichen Kontext weltweit sichtbar.
2023
Der Gender Pay Gap beträgt in Deutschland weiterhin 18 Prozent.
Diese Chronologie verweist auf einen fortdauernden Prozess: den Weg von Frauen zu Sichtbarkeit, Gleichstellung und selbstbestimmter Teilhabe im Arbeitsleben. Sie ist kein Abschluss — sie ist eine Einladung, weiterzudenken.



